Bittersüsse Omeletten
Es fängt mit einer ganz harmlosen Bemerkung an: «Was hab ich viel gegessen», seufzt eine Frau im Tram. «Mein Bauch ist total voll. Ich platze fast!» «Komisch», sagt ihr Sohn, er ist vielleicht acht Jahre alt, ein ernsthaftes Kind. «So viele Omeletten hast du doch gar nicht gegessen. Ich hatte vier, und du?» «Zwei.» «Zwei, und dein Bauch ist voll?» … Mehr lesen »
Achtung, fertig, erholt!
Wir haben keinen Stress!» «Nein, wir nehmen es ganz gemütlich!» Es klingt wie eine Beschwörungsformel. Von allen Seiten hören wir sie, während wir dicht gedrängt im Flugzeuggang stehen und darauf warten, dass sich die Türe öffnet. Dass der Bus losfährt. Dass sich das Gepäckband in Bewegung setzt, dass es unsere Koffer ausspuckt. Wir hören es hinter uns und vor uns … Mehr lesen »
Lob der Langeweile
Manchmal lese ich die Ergebnisse von wissenschaftlichen Studien in der Zeitung und denke: Was hätte man sich Geld und Aufwand sparen können, wenn man einfach mich gefragt hätte. Zum Beispiel: Menschen, die Freude am Essen haben, sind glücklicher als andere. Wer hätte das gedacht! Die Glücksforschung ist Ausdruck eines Trends, den ich begrüsse: Man untersucht heute vermehrt die schönen Seiten … Mehr lesen »
Wolkenbruch
Weisst du, was ich mir wünsche?» Meine Freundin Bonny und ich sitzen unter einem grauen Himmel im Strassencafé und tun so, als sei schon Sommer. Die Lehnen der Metallstühle pressen sich kalt in unsere Rücken. Bonny hat gerade ihr Geschäft verloren. Die Beratungsfirma, die sie mit ihrer besten Freundin gegründet hatte, war schon länger in Schwierigkeiten. Bonny wollte die Bücher … Mehr lesen »
Frühstück ist fertig
Spinnst du? Das verstehen die wenigsten meiner Freundinnen, egal, ob sie Kinder haben oder nicht: Dass ich immer noch morgens aufstehe, um meinem Sohn das Frühstück zu machen. Wie alt ist er noch mal? Siebzehn. Kann sich also seit Jahren selber Frühstück machen. Warum steh ich dann immer noch auf, auch wenn ich es gar nicht müsste? Hat mich nicht … Mehr lesen »
Ich treibe es bunt
Erst wusste ich gar nicht, was es war. Ich erkannte das Gefühl nicht, das aus heiterem Himmel von mir Besitz ergriff. Ich merkte nicht einmal, dass es der heitere Himmel war, der den Ausschlag gab. Die hartnäckigste Grippe aller Zeiten hatte sich verzogen, die grauen Regenwolken waren aufgebrochen. Ich stand mit einer Tasse Kaffee auf meinem Balkon und schaute mich … Mehr lesen »
Ich bin dann mal unterwegs
Die Schweiz ist klein. Sehr klein. Wer sie auf der Weltkarte sucht, muss genau hinschauen. Und ihr deutschsprachiger Teil ist noch viel kleiner. Und doch, jedes Mal, wenn ich wieder auf Lesereise kreuz und quer durch diesen winzigen Flecken Erde tingle, merke ich: Die Schweiz ist viel grösser, als ich gedacht hatte. Und vielfältiger. Jedes Dorf, so scheint mir, hat … Mehr lesen »
Furchtlos fahren
Eine Frage» – meine Freundin setzte ihr schönstes Lächeln auf, die Politesse blieb ungerührt. Die Parkuhr war zwar erst seit wenigen Minuten abgelaufen, als wir angestürmt kamen. Betont umständlich hatten wir zwei Kinderwagen, zwei kleine Kinder, vier Einkaufstüten und einen Hund im Auto verstaut, was seine Zeit in Anspruch genommen hatte, denn es war ein sehr kleines Auto. Die Politesse … Mehr lesen »
Berge von Buchstaben
In der Küche brannte ein Licht, draussen war es noch dunkel. Es war früh, vielleicht halb sechs Uhr morgens. Gerade hatte die Glocke geläutet. Ich trat in die Küche, wo ich gestern Abend auf einem Tisch rechts neben der Tür einen Teller mit Dörrfrüchten gesehen hatte. Ich hatte meine Hand schon danach ausgestreckt, als ich auf der anderen Seite des … Mehr lesen »
Die unsichtbare Hand
Vor einer Woche oder zwei war ich in St. Gallen. Dort gibt es eine Universität, an der vor allem Wirtschaft studiert wird. Davon verstehe ich nichts. Ich wurde eingeladen, um den Studenten etwas über die Realität des Schriftstellerinnenlebens zu erzählen. Dass ich das Gymnasium nicht abgeschlossen habe, ist bis heute das Einzige, was ich wirklich bereue. Obwohl ich nicht sagen … Mehr lesen »
