Es klingelt

Es ist still. Nur das Atmen von hundertdreissig Menschen ist zu hören, das Rascheln von Kleidung, draussen fährt ein Auto vorbei. Dann klingelt ein Telefon. In diese Stille hinein. Hundertdreissig Köpfe drehen sich zu der Wand, zu dem Regal, in dem die Jacken und Taschen verstaut wurden. Im Regal klingelt es weiter und weiter. Wie lange so ein Telefon klingeln … Mehr lesen »

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Dinner for one

Ob ich auch nicht mehr eingeladen würde, fragt sie. Seit sie getrennt sei, seit sie allein lebe, lade sie niemand mehr ein. «Nur Paare werden eingeladen.» Ich kenne sie nicht, aber es passiert mir in letzter Zeit öfter, dass ich von Frauen angesprochen werde, die auch allein leben, seit längerem oder kurzem. «Ich weiss nicht, woran es liegt», sagt sie. … Mehr lesen »

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Schlangen, Trauben, Wogen

Wenn es stimmt, dass man ein zivilisiertes Land an der Fähigkeit seiner Bevölkerung erkennt, sich in eine Warteschlange einzureihen, dann gute Nacht, Schweiz! Die Warteschlange ist uns unbekannt. Wir drängeln uns in Trauben und in Wolken, wir überholen rechts und links und drängeln uns von allen Seiten nach vorne, wo unsere Schlange dann am breitesten wird. Eher geht ein Kamel … Mehr lesen »

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Annus horribilis

Die Königin von England hatte ein schlechtes Jahr. Ich glaube, es war 1992. Zwei Trennungen, eine Scheidung, ein skandalöser Enthüllungs-Bestseller, noch skandalösere Bilder und schliesslich ein Palastbrand verleiteten sie zu der bitteren Aussage: «Dieses Jahr ist nicht eines, auf das wir mit ungetrübter Freude zurückblicken werden.» Die königliche Zurückhaltung ihrer Formulierung ist mir fremd. Trotzdem weiss ich genau, was sie … Mehr lesen »

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Ein himmlischer Zug

Es ist noch nicht lange her, da sass ich in einem Zug. An einem ganz normalen Wochentag in einem ganz normalen Regionalzug zwischen Aarau und irgendwo. Es war einer dieser alten Wagen, die rütteln und rattern, dass man seine eigenen Gedanken nicht mehr hört, und in denen es riecht, als würde etwas brennen. Das hat aber mit den Bremsen zu … Mehr lesen »

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Von Sinnen

Da ist sie wieder, diese Zeit. Diese Zeit im Jahr. Die Zeit der Besinnlichkeit. Besinnlichkeit! Ehrlich gesagt, ich verstehe jedes Jahr weniger, was das heisst. Ich schlage also nach: Besinnlichkeit, so heisst es im Wörterbuch, kommt von sich besinnen. Über etwas nachdenken. Sich an etwas (Wichtiges) erinnern. Auf die Vorweihnachtszeit bezogen hiesse das: sich auf den Ursprung des Festes zu … Mehr lesen »

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Einmaleins der Dankbarkeit

Plötzlich war es still im Raum. Verlegene Blicke flogen über den Tisch, kreuzten sich, Augenbrauen wurden hochgezogen, jemand zuckte mit den Schultern. Was hatte ich gesagt? «Geld.» Ich war bei Freunden in Kalifornien eingeladen, es war kurz vor Thanksgiving, dem wichtigsten amerikanischen Feiertag. Er erinnert an das erste Erntedankfest der Pioniere auf dem neuen Kontinent, zu dem die amerikanischen Ureinwohner, … Mehr lesen »

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Das kann ich nicht

Mama», sagte mein älterer Sohn, er war vielleicht drei Jahre alt. «Mama, kannst du nicht erst ein Gutenachtlied singen und dann die Geschichte erzählen? Weisst du, das Angenehme für den Schluss aufsparen!» Mein Sohn war damals der Einzige, der mich je singen gehört hatte. Ansonsten hielt ich mich an den Rat meines Klassenlehrers in der Primarschule, der mich in die … Mehr lesen »

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Die Schweizer Kommunikation

Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es auch zu gut, um wahr zu sein. Das Leben könnte so einfach sein, wenn man sich nur an diesen Grundsatz halten würde. So viel Leid bliebe einem erspart. Oder wenigstens Ärger. Doch immer wieder vergisst man diese einfache Wahrheit, denn heimlich wünscht man sich natürlich, dass das Unmögliche … Mehr lesen »

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Ein Briefkasten kommt selten allein

Samstagmorgen, der Markt wird aufgebaut, die Strassen sind noch leer. Vor einem Café wird gewischt, der Coiffeur stellt einen Passantenfänger vor die Tür, die Buchhändlerin schiebt einen Wagen mit den Kalendern fürs nächste Jahr vor ihr Schaufenster. Ich winke ihr im Vorbeigehen zu. Unter denen, die am Wochenende arbeiten, herrscht eine gewisse Verbundenheit. Schon als Buchhändlerstiftin habe ich gern am … Mehr lesen »

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