Alzheimer

Mein Mann hat Alzheimer. Ich komme ganz gut damit zurecht, seine Kinder wollen aber nichts damit zu tun haben, nach dem Motto: Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss. Wir haben einige Freunde, welche «da sind» und auch helfen. Ich mache nun praktisch alles, vom Garten bis zum Schreibkram. Mein Mann verirrt sich sogar im Haus, essen kann er nur mit etwas Hilfe. Er ist (wie auch schon früher) oft unwirsch und will meine Hilfe nicht.Wenn ich nicht rede, dann sagt er nichts mehr. Er liest auch nicht mehr und schaut kein Fernsehen. Zu meiner Frage: Wenn wir Besuch haben – mein Mann erkennt nicht mehr alle, aber ich glaube doch, dass es ihm Freude macht –, ist mein Mann ganz anders, zugänglicher, freundlicher, er gibt auch Antwort auf Fragen. Natürlich nur so halbwegs, denn er vergisst ja alles nach einer Minute. Er isst besser und mehr. Aber meine Freunde sagen danach: «Es ging ihm gut heute, man sieht ihm die Krankheit nicht an.» Es klingt fast so, als würde ich mir alles nur einbilden. Ich weiss nie, wie ich darauf antworten soll, ich will mich ja nicht rechtfertigen.
Kitty, 69

Liebe Kitty
Sie beeindrucken mich, wie Sie mit der Krankheit Ihres Mannes zurechtkommen, die Belastung der Hausarbeit meistern und dabei noch Humor und Gelassenheit an den Tag legen. Möglicherweise schaffen Sie das deshalb so gut, weil Sie schon zuvor einen Weg gefunden haben, mit den Launen Ihres Mannes umzugehen. Sein Beispiel zeigt eindrücklich eindrücklich, wie komplex die Leistungen unseres Gehirns sind. Während Funktionen wie Kurzzeitgedächtnis und Orientierungssinn bei dieser Krankheit nachlassen, vermag Ihr Mann die entspannte Atmosphäre der Geselligkeit zu geniessen und sich dann von seiner besten Seite zu zeigen. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihnen Ihre Freunde nicht glauben, was Sie im Alltag mit ihm durchmachen, fragen Sie sie doch unter vier Augen ganz direkt. Schildern Sie ihnen anhand von Beispielen, was Ihnen täglich zu schaffen macht. Unsere Schultern werden leichter, wenn wir bei guten Freunden ab und zu Last abladen. Mit Rechtfertigen hat das nichts zu tun.

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Defizit

Ich bin geschieden und habe zwei fast erwachsene Kinder, welche beide in einer Ausbildung sind. In meinem Job läuft es auch gut. Nach meiner Scheidung habe ich einen Mann kennengelernt, welcher sehr viele gleiche Interessen hat und unternehmungslustig ist. Eigentlich könnte es gut laufen, wenn nur nicht seine sexuellen Probleme wären. Ich komme nicht auf meine Kosten und überlege mir, dieses Defizit anderweitig zu kompensieren. Elena, 42

Liebe Elena
Nach Ihrer Scheidung pflegen Sie eine Freundschaft zu einem Mann, mit dem Sie viel unternehmen können, mit dem aber im Bett nichts läuft. Angesichts der Tatsache, dass Sie in der Blüte des Lebens stehen und sich in einer Lebensphase befinden, in der die Karten noch einmal neu gemischt werden könnten, verstehe ich Ihren Wunsch, dass Sie sich von einer Liebesbeziehung mehr erhoffen als gelegentliche nette Ausflüge. Wenn Sie sich dafür entscheiden, weiterzuschauen, müssten Sie Ihren Freund darüber informieren. Sagen Sie ihm, dass Sie ihn sehr schätzen, aber die Freundschaft zu ihm nunmehr auf kollegialer Basis weiterführen möchten.

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Verweigerung

Mein 15-jähriger Sohn, welcher eine sonderpädagogische Schule besuchte, macht mir grosse Sorgen. Die Schule war ihm immer verhasst. Nach der 6. Klasse kam er in eine neue Institution. Dort ging es gar nicht, und ich entschloss mich, ihn dort herauszunehmen. In der neuen Schule merkte er sehr schnell, dass niemand etwas sagt, wenn er schwänzt. Nun ist er seit einem Jahr zu Hause und macht gar nichts mehr, ausser sich zu verweigern. Alle Therapeuten setzen auf die Kooperationswilligkeit der Jugendlichen, aber er kooperiert nicht, und so hilft uns niemand. Es kann doch nicht sein, dass mein Sohn zu einem «Sozialbezüger gezüchtet» wird. Noch ein Jahr so, und ich vermute, dass er den Bezug zur Realität komplett verliert. Emma, 47

Liebe Emma
Ihr Sohn hat eine lange Vorgeschichte der Entmutigung und der Misserfolge. Sie sehen klar, dass es so nicht weitergehen kann. Er ist höchst gefährdet, den Anschluss an das Leben und die Realität zu verlieren. Ich bezweifle aber, ob da ein paar ambulante Gespräche bei einem Psychiater reichen. Wenn Ihr Sohn nur noch daheim rumhängt und für nichts mehr motiviert werden kann, sollte eine stationäre Massnahme ins Auge gefasst werden. Kontaktieren Sie den kinder- und jugendpsychiatrischen Dienst Ihrer Region. Dort können weitere Schritte in diese Richtung überlegt werden. Ihr Sohn braucht einen Therapieplatz, wo er geführt und gefördert wird und neuen Lebensmut gewinnen kann.

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Letzte Chance

Ich bin seit über zehn Jahren mit meinem Mann zusammen. Wir haben zwei kleine Kinder. Während der ersten Schwangerschaft hatte mein Mann eine Affäre, was für mich ein Schock war. Damals sprachen wir über das Geschehene, und mein Mann beteuerte, mich zu lieben und nicht verlieren zu wollen. Wir einigten uns darauf, das Geschehene hinter uns zu lassen und uns auf die Zukunft zu konzentrieren. Eine Zeit lang ging das gut. Bei meinem Mann nahm der berufliche Erfolg zu. Die Folge war und ist, dass er erst spät von der Arbeit kommt – meist schlafen die Kinder bereits – und nur noch vor dem Fernseher entspannen will. Alles bleibt an mir hängen. Er erzählt mir nichts von seiner Arbeit und interessiert sich auch nicht, wie mein Tag war. Zeit mit den Kindern oder mir nimmt er sich auch am Wochenende kaum. Ich begegnete ihm mit Verständnis, um ihn nicht noch mehr zu stressen. Dann stellte sich heraus, dass er sich erneut auf eine Affäre eingelassen hatte. Als ich ihn zur Rede stellte, bereute er nichts, sondern meinte nur, dass uns doch schon länger keine Liebe mehr verbinde. Er gäbe uns aber noch eine allerletzte Chance. Meine Welt fiel in sich zusammen. Alle Versuche, vernünftig mit ihm zu reden, schlugen fehl. Er wollte sogar ausziehen. Inzwischen habe ich es aufgegeben, mit ihm über unsere Probleme zu reden, sonst wird er gleich wieder ausfällig. Annalena, 35

Liebe Annalena
Diese Ehekiste steht völlig auf dem Kopf: Ihr Mann interessiert sich kaum für Sie und feiert ausser Haus seine Erfolge. Er betrügt Sie schon mindestens das zweite Mal. Während andere Ehebrecher sich mit Schuldgefühlen plagen, wird Ihr Mann noch ausfällig, wenn Sie ihn zur Rede stellen. Ihr Mann hat keinen Respekt vor Ihnen! Wenn Sie immer wieder Verständnis für seine Launen und Fehltritte zeigen, heisst das im Klartext, dass Sie diese tolerieren. Wenn Sie dann auch noch hoffen und bitten, dass er Sie nicht verlassen möge, grenzt das an Unterwürfigkeit. Ihr Mann behandelt Sie wie einen Fussabtreter. Wenn Sie möchten, dass Ihr Mann Sie ein bisschen mehr schätzt, müssen Sie den Spiess umkehren: Sagen Sie ihm, dass Sie sein Desinteresse und seine Verlogenheit keinen Tag länger ertragen können. Seine Idee, auszuziehen, sei daher genau richtig. Erst wenn ihr Mann realisiert, dass er Gefahr läuft, Sie und die Bequemlichkeiten der Familie zu verlieren, könnte er sich dazu entschliessen, sein Verhalten zu ändern und sich mehr Mühe zu geben.

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Beileid

Der Mann einer guten Freundin hat sich das Leben genommen. Wie soll ich ihr mein tiefstes Beileid und meine Sprachlosigkeit erklären? Soll ich sie anrufen oder ihr einen Brief schreiben? Ich habe Angst, das Falsche zu sagen, und wenn ich mich nicht melde, habe ich das Gefühl, auch nicht das Richtige zu tun. Er war auch ein Sportkollege von mir. Man findet in einer solchen Situation nur schwer die «richtigen» Worte. Andreas, 45

Lieber Andreas
Falsch wäre es, keine Reaktion zu zeigen oder nur eine kurze SMS zu schreiben. Jede andere persönliche Reaktion des Mitfühlens ist für die nächsten Angehörigen tröstend. Schreiben Sie einen Brief oder eine Karte, und drücken Sie darin Ihre Betroffenheit aus. Erwähnen Sie auch, was der Verstorbene Ihnen persönlich bedeutet hat. Bei einem Suizid müssen sich die Hinterbliebenen zusätzlich zur Trauer mit der Entscheidung des Verstorbenen auseinandersetzen. Diese zu verstehen braucht Zeit und ist nicht immer einfach. Bieten Sie Ihrer Freundin das Gespräch darüber und die Freundschaft an. Es liegt dann an Ihnen, sich nach einiger Zeit telefonisch nach ihrem Befinden zu erkundigen.

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