Duzen…

Im Privatleben ist es mit dem Du anbieten meines Wissens so, dass die Frau dem Mann und der Ältere dem Jüngeren das Du anbieten kann. Wie ist es aber, wenn die Frau einiges jünger (ca. 20 bis 30 Jahre jünger) ist als der Mann? z. B. Vater einer privaten Kollegin, Grossvater einer Schulfreundin der eigenen Tochter, Nachbar im Haus…
Bin gespannt auf die Antwort. Vielen Dank schon im Voraus. Nine, 39

Liebe Nine
Tempi passati….

Heute spielt das Geschlecht keine Rolle mehr, wer wem das Du anbieten darf. Früher war es tatsächlich so, dass nur die Frau dem Mann das Du anbieten durfte. Heute entscheiden das Alter und die Rangordnung.

Im Privatleben entscheidet das Alter….
Die deutlich ältere biete der jüngeren Person das Du an. Das Geschlecht spielt dabei keine Rolle. Innerhalb der gleichen Generation sind Frau und Mann gleich berechtigt, somit spielt es keine Rolle, wer den „ Du Antrag“ stellt.

Im Beruf entscheidet die Rangordnung…
Die hierarchisch ranghöhere wird der rang-niedrigeren Person das Du anbieten. Hier spielt das Alter keine Rolle. Ein junger Vorgesetzter hat das „Recht“, einem älteren Mitarbeiter/In das Du-Angebot zu unterbreiten. Unter hierarchisch gleichgestellten Kollegen wird mit Vorteil der ältere dem jüngeren und der dienstältere dem neuen das Du anbieten.

Von einem spontanen Duzen rate ich ab.., dies wird nicht immer als cool interpretiert sondern hinterlässt oft ein Hauch von Rüpelhaftigkeit!

Herzlichst
Ihre Knigge Ratgeberin
Loredana Scheiwiller

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Pizza Knigge

Grüezi Frau Scheiwiller
Ich war am Wochenende mit meinen Eltern in einer Pizzeria Pizza essen. Ich habe die Pizza in dreieckige Stücke (wie Kuchenstücke) geschnitten und dann mit der Hand gegessen. Meine Eltern behaupten, dies sei falsch, Pizza sollte mit Messer und Gabel gegessen werden. Wer hat Recht? Raffi,14

Sali Raffi
Als erstes möchte ich Dir ein Kompliment machen!
Eine in dreieckige Stücke geschnitten Pizza sieht viel appetitlicher und ästhetischer aus als eine, die kreuz und quer durchgeschnitten ist.

Wird eine Pizza in einem Restaurant serviert, so wird diese mit Messer und Gabel gegessen. Wäre die Pizza eine sogenannte „Fingerfood- Speise“ so würde richtigerweise eine Fingerbowle mit lauwarmen Wasser dazu serviert, um sich anschliessend die Finger zu reinigen. Dies ist beim Pizzaessen definitiv nicht der Fall. Isst Du hingegen eine Pizza in einem Fastfood-Restaurant, so ist diese vielfach schon vorgeschnitten und wird mit einem Zahnstocher serviert. Dieser dient als Ersatz für die Gabel. Isst Du gemütlich deine Pizza Zuhause, so ist es sicherlich erlaubt, diese in kleine Stücke zu zerschneiden und mit der Hand zu essen. In einem Restaurant dagegen ist dies unangebracht.

Wie du siehst, lieber Raffi.., sowohl Deine Eltern als auch Du haben Recht!

Herzlichst
Deine Knigge Ratgeberin
Loredana Scheiwiller

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Sitzordnung am Hochzeitstisch

Liebe Ratgeberin
Ich werde demnächst heiraten. Können Sie mir bitte sagen, wie die korrekte Sitzordnung für meine Eltern, Schwiegereltern sowie Grosseltern aussehen soll. Nicki 29

Liebe Nicki
Ihre Frage ist eine wahre Freude.

Eine Sitzordnung zu bestimmen, ist ein heikles Unterfangen. Doch wenn man sich an gewisse Grundregeln hält, wird man vor Peinlichkeiten und beleidigten Gästen bewahrt sein.
Eltern, Schwiegereltern, Gotte, Götti und Trauzeugen haben an einer Hochzeit wichtige „Nebenrollen“. Entsprechend sollte die Sitzordnung für diese gut überlegt sein. Gleich, ob Sie eine lange Tafel, U – Form oder T- Form wählen, die Kriterien für die Platzierung bleiben immer die gleichen.

Sitzordnung

  • Das Brautpaar sitzt in der Mitte der Ehrentafel
  • Die Braut sitzt rechts vom Bräutigam
  • Rechts neben der Braut sitzt der Bräutigamvater, anschliessen die Bräutigammutter
  • Links neben dem Bräutigam sitzt die Brautmutter, anschliessend der Brautvater
  • Anschliessend werden jeweils die Grosseltern platziert
  • Die Trauzeugen und deren Partner werden anschliessend an die Grosseltern gesetzt
  • Gotte und Götti mit Partner/In sollten ebenfalls in der Nähe des Brautpaars sitzen.

Die Sitzordnung wird folgenderweise fortgesetzt: Geschwister, Tanten, Onkel, Freunde und Bekannte mit Partner/In.
Eigentlich ganz einfach – denn wie Sie sicherlich auch festgestellt haben, eine Tischordnung wird nach üblichen menschlichen Grundregeln erstellt.

Mit den besten Wünschen für eine gelungene Sitzordnung und einen unvergesslichen schönen Tag,

Herzlichst
Ihre Knigge Ratgeberin
Loredana Scheiwiller

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Unpünktlichkeit

Guten Tag Frau Scheiwiller
Ich war gestern um 16.00 Uhr zum Kleinen Apero mit anschliessendem Essen bei meinen Eltern eingeladen. Ich war pünktlich dort. Meine Schwester hingegen kam um 16.45, ihr Mann um 17.15 Uhr, wobei er uns mitteilte, dass die Kinder noch später kämen. Die Tochter wäre eben unter die Dusche gegangen, und der Sohn sei von seinem Kollegen erst zurückgekommen. Daraufhin machte ich meine Schwester aufmerksam, dass dies absolut nicht gehe, und ich es eine riesengrosse Frechheit finde, wie sie hier eintrudeln. Leider fand ich keine Zustimmung. Dies sei absolut normal, und ich sei absolut pingelig. Meine Eltern haben sich dazu nicht geäussert, aber der Abend war gelaufen, und alle waren sauer auf mich. Übrigens, die Kinder kamen um 18.30 Uhr.
Wie sieht dies eigentlich aus Sicht der Expertin aus? Bin ich wirklich zu pingelig? Wie sieht das Knigge? Vielen Dank für Ihre Antwort. Avila, 51

Liebe Avila
Oh nein…, das hat gar nichts mit Pingeligkeit zu tun!
Ihr Ärger und Ihre Reaktion kann ich bestens nachempfinden und ist mehr als berechtigt.

Ihre Schwester verwechselt da etwas ganz eindeutig! Es ist ja gut, wenn in der Zeit der Individualität jeder seinen Bedürfnissen nachgeht, allerdings sollte dies nicht auf Kosten Dritter geschehen.
Die Einladung mit anschliessendem Essen wurde auf 16.00 Uhr angesetzt. Auf diesen Zeitpunkt sollte man auch erscheinen. Hätte die Einladung ab 16.00 Uhr gelautet, so wäre das Kommen nach Gutdünken erlaubt gewesen. Dies wird bei einem Essen eher nicht ausgesprochen, denn so würden die Gastgerber nicht wissen, auf welche Zeit das Essen bereitgestellt werden soll.

Unpünktlichkeit sendet viele negative Botschaften, wie fehlende Wertschätzung den Gastgebern und Gästen gegenüber, Desinteresse und Unzuverlässigkeit aus. Diese negativen Botschaften haben einen Beigeschmack, gleich ob es sich um eine private oder geschäftliche Einladung handelt. Diese Meinung vertritt auch Knigge.

„Es gibt Diebe, die nicht bestraft werden, obwohl sie dem Menschen das Kostbarste stehlen – DIE ZEIT”
Dieser Satz stammt von Napoleon Bonaparte und hat bis heute nicht an Aktualität verloren! Ob Ihre Schwester Napoleons Meinung teilt?

Herzlichst
Ihre Knigge Ratgeberin
Loredana Scheiwiller

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Gästeregeln

Sehr geehrte Frau Scheiwiller,
ich komme aus Polen und bin Deutschlehrerin. Ich bereite einen Deutschunterricht vor, in dem ich über Benimm-, Besuch- und Einladungsregeln eines Gastes in Deutschland erzählen werde. Ich habe Ihre Seite gefunden und möchte Sie um Hilfe bitten. Als ich in Deutschland Deutsch gelernt habe, erinnere ich mich nur daran, dass man keineswegs der Gastgeberin rote Rosen schenken darf, und dass es üblich ist, 5 Minuten früher zu kommen. Aber welche Pflichten hat der Gast in Deutschland noch? Soll er zum Bespiel beim Besuch die Schuhe ausziehen oder nicht, soll er ein kleines Geschenk mitbringen, eine Flasche Wein? Was darf man auf keinen Fall als Gast machen? Was ist höflich, und was ist tabu?
Ich wäre Ihnen für Ihre Hilfe sehr dankbar, und ich bedanke mich im Voraus bei Ihnen für Ihre Antwort.Mit freundlichen Grüßen. Joanna, 37

Liebe Joanna
Der Gast ist „König“, trotzdem sollte er auch einige Regeln befolgen.

Die Regeln hier in der Schweiz unterscheiden sich kaum von denen unserer deutschen Nachbarn. Die Gäste zu bewirten ist mit Arbeit verbunden. Ein kleines Geschenk hinterlässt eine Wertschätzung.

Die Gastgebergeschenke…

Die Klassiker unter den Geschenken sind sicher Blumen und Wein. Aber selbstverständlich gerade dann, wenn man aus einem fremden Land kommt, wird eine kleine Aufmerksamkeit aus Ihrem Land sicherlich auch Freude bereiten. Aber bleiben wir bei den „Klassikern“. Die Gastgeberin wird sich an einem Blumenstrauss bestimmt erfreuen. Rote Rosen, weisse Lilien, Nelken und Chrysanthemen werden vielfach mit speziellen Situationen assoziiert. (Rote Rosen = Liebe, weisse Lilien, Nelken und Chrysanthemen = Totenehrung) Als Alternative empfehle ich einen saisonalen Blumenstrauss mit der Lieblingsfarbe der Gastgeberin. Die Anzahl der Blumen sollte bei kleineren Sträussen ungerade sein. Bei grösseren darf auch eine gerade Zahl sein. Die Anzahl dreizehn sollten Sie allerding nicht nehmen. Sind Sie als Paar eingeladen, so wird der Mann den Blumenstrauss ohne Verpackung der Gastgeberin überreichen. Aussert handelt sich um eine Cellophan-Verpackung. Für den Gastgeber ist  Wein eine gute Wahl. Es darf sich um eine oder gar zwei Flaschen handeln. Ein Fauxpas wäre, die Gastgebern zu bitten, den Wein gleich für das Essen zu gebrauchen.

Pünktlichkeit….

Wer zu früh erscheint ist auch „unpünktlich“. Falls Sie sehen, dass Ihr Eintreffen vor der abgemachten Zeit sein wird, müssen Sie annehmen, dass Sie den Gastgeber bei der Einladungsvorbereitung stören. Darum ist es ratsam, zur genau abgemachten Zeit einzutreffen. Eine Verspätung wird auch nicht gerne gesehen. Sollte dies trotzdem vorkommen, müsste dies unbedingt telefonisch mitgeteilt werden.
Der zuvorkommende Gastgeber wird die Gäste nicht bitten die Schuhe auszuziehen. Natürlich bedingt dies, dass man mit sauberen Schuhen eintrifft.

Zu Tisch…

Warten Sie ab, bis der Gastgeber Ihnen den Platz zuweist, und er Sie bittet Platz zu nehmen.
Fangen Sie erst an zu essen und zu trinken, wenn der Gastgeber dies anzeigt. Das Nachwürzen mit „Diskretion“ ist erlaubt. Allerdings sollte die Speise erst probiert werden. Das Rauchen zwischen den Gängen wird als sehr unangenehm empfunden. Warten Sie damit ab, bis das Essen beendet ist, und fragen dann um Erlaubnis. Zahnstocher zu benützen, die Lippen nachziehen sowie die Nase pudern sind persönliche Bedürfnisse, die im Badezimmer und nicht am Tisch erledigt werden. Das Mobiltelefon sollte  ausgeschaltet und in der Tasche verstaut sein. Auch das Empfangen eines SMS sollte nicht erkennbar sein.

Helfen….

Kennen Sie die Gastgeber gut, so können Sie fragen, ob man in irgendeiner Form behilfliche sein könnte, z.B. Teller abräumen etc. Ist die Einladung eher formell, wäre dies ein Fauxpas.

Das Ende der Einladung…..

Bei einer Einladung ist es Sache des Gastgebers, die Gäste durch den Abend zu führen und mittels diskreten Zeichen das Ende der Einladung zu bestimmen. Im Normalfall ist die Zeit zum Aufbruch frühestens 30 Minuten nach dem Kaffee. Erst wenn die Gastgebern die Einladung als beendet erklären und aufstehen, sollte der Gast dies auch tun.

Ein Dankeschön…

Was sicher sehr geschätzt wird ist, dass man sich im Nachhinein nochmals für die Einladung bedankt. Dies kann in Form einer Karte, per SMS, E-Mail oder auch per Telefon sein.

Liebe Joanna, schon Adolf Freiherr von Knigge sagte: „Die besten Umgangsformen sind wertlos, wenn es an Takt und Herzensbildung fehlt.“ In diesem Sinne verabschiede ich mich und wünsche Ihnen beim Vermitteln der verschiedenen Regeln viel Spass.

Herzlichst
Ihre Knigge Ratgeberin
Loredana Scheiwiller

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